Herbstliche Hundewanderung

Die Hermannshöhen im Teutoburger Wald

 
Vier Tage Naturgenuss, gemeinsame sportliche Betätigung für Mensch und Hund und neue Freundschaften schließen – all das umfasst die herbstliche Hundewanderung auf den Hermannshöhen, einer der schönsten Wanderrouten Deutschlands. Die insgesamt 80 Kilometer lange Tour beginnt im münsterländischen Lengerich und führt entlang der Hermannshöhen durch den Teutoburger Wald bis nach Oerlinghausen.

Ihren Namen verdankt die Route Hermann dem Cherusker, der die alten Kammwege benutzt haben könnte und im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr. in der Varusschlacht die Römer besiegte. Heute präsentieren sich die Herrmannshöhen als traumhafte Wanderroute, die Hundebesitzer auch gemeinsam und als geführte Wanderung mit Gleichgesinnten erleben können.

„Bei dieser Hundewanderung steht nicht die Erziehung im Vordergrund. Durch die kontinuierliche Auseinandersetzung mit anderen Artgenossen sammelt der Hund wichtige Erfahrungen, die sein Sozialverhalten positiv beeinflussen können“, erklärt Hundetrainer und Verhaltensberater Markus Sisterhenn. Er leitet die Hundeschule „Hundstage“ im Schopketal bei Bielefeld und veranstaltet die viertägige Hundewanderung zusammen mit Kollegin Nadja Ahlers, Hundetrainerin und Leiterin von „leben mit hund“ in Tecklenburg. Beide Hundeschulen liegen nahe dem Hermannsweg.

Einwandern: Von Lengerich nach Bad Iburg

„Die Strecke heute ist erstmal was zum warm werden“, meint Nadja Ahlers. Neun Hunde beschnuppern sich aufgeregt, während ihre Besitzer das Gepäck auf den Transporter hieven, der schwere Hundefuttertüten, Hundedecken und Koffer mit Wanderkleidung zum Zielort fährt. Jeder Teilnehmer braucht tagsüber nur einen Rucksack mit der empfohlenen Ausrüstung tragen: Regencape, Taschenlampe, Wasser und Snacks für Hund und Herrchen, Faltnapf und Sitzkissen für Pausen auf eventuell feuchtem Boden.

Auf den ersten Metern des Wanderweges kommt es zu kleinen Rangeleien zwischen dem jungen, temperamentvollen Deutsch Langhaar-Rüden Alfred und dem Mischlings-Rüden Taxi, die aber schnell geklärt und während der kommenden vier Tage kein Thema mehr sind. „Wir haben die Wanderung bewusst so gelegt, dass wir mit der Brut- und Setzzeit der Wildtiere nichts zu tun haben und die Hunde im Wald frei laufen können, so lange sie auf den Wegen bleiben“, erklärt Markus Sisterhenn.

Die erste Etappe führt über flaches Gelände  durch Waldmeister-Buchenwälder und an mehreren Steinbrüchen vorbei, in denen Kalkstein für die Zementherstellung gebrochen wird. Einige von ihnen sind stillgelegt und stehen unter Naturschutz. Früher als erwartet erreichen die Wanderer, die am ersten Tag in zügigem Tempo unterwegs sind, das Hotel zum Urberg. Umgeben von alten Kastanien und grünen Kuhwiesen liegt es am Hang oberhalb des  Kneipp-Heilbads Bad Iburg. Zeit, um bei Kaffe und Kuchen zu entspannen. Für die Hunde, die immer noch Energie haben, gibt es eine Wiese zum Toben. Die meisten liegen aber eher ausgepowert unter den Tischen. 

Der längste Wanderabschnitt: Von Bad Iburg nach Borgholzhausen

Nach der Übernachtung im Hotel zum Urberg und Frühstück im Saal, der vom hundefreundlichen Personal extra für die Gruppe freigehalten wurde, heißt es wieder Wanderstiefel schnüren. Morgendunst liegt noch auf den Feldern, als es um acht Uhr losgeht. Eine Strecke von 27 Kilometern steht bevor, und man weiß nicht, was unterwegs so alles passiert, deswegen ist ein zeitiger Start von Nöten.

Noch leicht verschlafene Augen blinzeln Schloss Iburg zu, das auf einer Kuppe in der hügeligen Landschaft erscheint. Im noch menschenleeren Waldkurpark genießen es die Hunde und Halter durch das Herbstlaub zu rascheln. Dann taucht der Charlottensee auf, über dem eindrucksvoll Schloss Iburg thront. Doch wo ist jetzt das „H“? – Eine Frage die im Laufe der Hundewanderung zum Insiderwitz wird. Das Zeichen, an dem sich Wanderer auf den Hermannshöhen orientieren können, ist nicht immer leicht zu finden. Zum Glück hat Nadja Ahlers auch eine Wanderkarte dabei. „Wir müssen jetzt ein kurzes Stückchen durch den Ort laufen, bevor wir wieder in Waldgebiet kommen“. Die Bad Iburger recken die Köpfe, als die vielen Hunde durch die Ortsgassen trippeln.

Am Waldeingang, der gleichzeitig den Aufstieg zum 296 Meter hohen „Großen Freeden“ markiert, heißt es dann Leinen los. Das Naturschutzgebiet ist im Frühjahr wegen seiner Massenblüte des Hohlen Lerchensporns ein Anziehungspunkt für Naturliebhaber. Nach neuneinhalb Stunden, in denen beim steilen Abstieg in die Noller Schlucht und dem anschließenden Erklimmen des schmalen Gebirgskamms des Teutoburger Waldes so einige Höhenmeter überwunden werden, erreicht die Gruppe abends den Spiekerhof, einen Pferdehof nahe der Lebkuchenstadt Borgholzhausen. Als die Jagdhornbläser auf der Obstbaumwiese aufspielen jaulen die Hunde tatsächlich laut mit.

Wandern mit Aussicht: Von Borgholzhausen bis zur Waldgaststätte Peter auf’m Berge

Rauf und runter geht es auch am dritten Wandertag. Allerdings ist dieser Abschnitt kürzer. So  bleibt mehr Zeit für Verschnaufpausen an den vielen herrlichen Aussichtspunkten. Bei Sonnenschein packen die Wanderer an einer Drachenflieger-Absprungschanze, die Aussicht auf das Ravensberger Hügelland eröffnet, die Butterbrote aus. Die Hunde wälzen sich im warmen Gras.

„Es ist verblüffend. Inzwischen hat sich ein richtiges Gemeinschaftsgefühl zwischen den Tieren entwickelt. Josy hätte sich sonst nie zu den anderen Hunden gelegt“, stellt Martina Bärwolf, Besitzerin der großen braunen Mischlingshündin, fest. Am Abend lauschen im Waldgasthof Peter auf’m Berge, der bei Steinhagen direkt am Wanderweg liegt, alle Nadja Ahlers und Markus Sisterhenns Vorträgen „Der Wolf – Vorfahr unserer Hunde“ und „Domestikation des Hundes“.

Zur Natur mischt sich ein Stück Kultur – Vom Peter auf’m Berge nach Oerlinghausen

Etwas wehmütig wird dem letzten Wandertag entgegen geblickt. Doch es warten noch einige Highlights, bevor es dann am Abend in Oerlinghausen auf dem Gelände der Hundeschule Hundstage Abschied nehmen heißt. Erster Anlaufpunkt heute ist der Heimattierpark Olderdissen in Bielefeld. Bei der Wolfsfütterung versuchen die Hundefreunde Wissen aus den Vorträgen vom Vorabend zu reflektieren und Verhaltensweisen der Wölfe zu analysieren.

Nach viel Natur beginnt nun ein mit Kultur gespickter Wanderwegabschnitt. Der Hermannsweg führt durch die Dr. Oetker-Stadt Bielefeld. Vorbei an der 1968 von Architekt Philip Johnson im „internationalen Stil“ erbauten Kunsthalle geht es hinauf zum Wahrzeichen der Stadt. Auf der 1240 erbauten Sparrenburg schlendern die Wanderer über die Festungsanlage und genießen den Blick über Bielefeld.

Danach stehen aber wieder die Hunde im Mittelpunkt: Auf Bielefelds größter Hundewiese rennen Alfred, Erle, Cox und Co. die Hänge hinauf und hinunter. „Cox war nicht klein zu kriegen, obwohl er aufgrund seiner Epilepsie Medikamente nehmen muss“, staunt Besitzerin Elisabeth Fischer. Die gebürtige Berlinerin ist seit acht Wochen Hundehalterin. „Erst jetzt durch Cox entdecke ich für mich die Natur. Das hier war meine erste richtige Wanderung“, resümiert sie beim Abschlussgrillen.

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