Hundesprache verstehen

In der Muttersprache des Hundes

Gibt es eine universelle Hundesprache und wenn ja, lässt sich diese erlernen? Hundebesitzerin Katrin Rohwer-Kahlmann fand auf diese Frage im Seminar „In der Muttersprache des Hundes“ der HundeTeamSchule Antworten.

Als Ersthundebesitzerin habe ich mich schon oft gefragt, was ich für meine neun Monate alte Mischlingshündin eigentlich bin: Futterautomat, Freundin, Spielgefährte, Spielverderber, Rudelführer? Wahrscheinlich bin ich für Lila von allem etwas und das ist auch gut so. Trotzdem fühle ich mich in der Kommunikation mit meiner Kleinen manchmal etwas ratlos. Versteht sie mich? Verstehe ich sie? Gibt es eine Hundesprache, die ich lernen kann? Fragen, die mich seit Wochen beschäftigen. Deshalb erschien es mir wie ein Geschenk des Himmels, als ich von einem „Sprachkurs für Hundebesitzer“ erfuhr, bei dem ich mich sofort anmeldete.

Vier Wochen später sitze ich mit 23 anderen Hundehaltern in der Hundeakademie Allgäu von Sabine Baronin von Holtey im Seminar „In der Muttersprache des Hundes“. Die Hundeverhaltenstrainerin bietet in Memmingen Seminare und Vorträge zu Themen rund um den Hund an. Dieses Wochenende hatte sie die HundeTeamSchule aus dem hessischen Usingen eingeladen.

Erkenne dich selbst

Um die Idee der HundeTeamSchule zu verstehen, ist erst einmal etwas Theorie notwendig. Die Illusion, es gäbe vielleicht so etwas wie die Technik zum Erlernen einer allgemeingültigen „Hundesprache“, nimmt mir Michael Stephan, Referent und Inhaber der HundeTeamSchule, bereits nach wenigen Minuten. „Nur wenn unsere Körpersprache authentisch ist, also ausdrückt, was Kopf, Herz und Bauch sagen, wird sie vom Hund richtig verstanden und akzeptiert.“ Und es kommt noch schlimmer für mich: „Die Schwierigkeiten im Umgang mit unseren Hunden liegen zu 70 Prozent an uns“, erklärt Stephan. Aber wenn mich Techniken nur bedingt weiterbringen und über zwei Drittel aller Kommunikationsprobleme von mir ausgehen, was braucht es dann, um mit Lila in der Muttersprache des Hundes zu kommunizieren?

Um Antworten auf diese Frage geben zu können, beobachteten die Hundetrainer der HundeTeamSchule immer wieder Haushunde im Rudel. So entstand die Idee von einem harmonischen Zusammenleben für Mensch und Hund. „Die Herausforderung dabei ist nicht das Erlernen der Sprache, sondern das Erlangen eines allgemeinen Verständnisses für sich selbst, den Hund und die Natur“, sagt Michael Stephan. Im ersten Moment denke ich, das hört sich kompliziert an. Je länger ich jedoch seinen Ausführungen folge, umso bewusster wird mir, wie stark die Beziehung zu unseren Hunden von den eigenen Erfahrungen und Emotionen geprägt ist. Besonders bestimmend sind dabei Gefühle wie Liebe und Angst. Wer seinen Hund liebt, sorgt sich auch um ihn. Die Sorge, alles richtig zu machen, führt jedoch häufig zu Angst, Stress und Unsicherheit beim Menschen. All das spiegelt sich in unseren Hunden wieder, die im Gegensatz zu uns nicht in der Vergangenheit oder Zukunft, sondern im Hier und Jetzt leben.

Erkenne deinen Hund

Genau dort sollten wir uns nach den Vorstellungen der HundeTeamSchule auf unsere Hunde einlassen, um eine gemeinsame Kommunikationsebene zu schaffen. „Dabei ist es wichtig, das Wesen unseres Hundes zu akzeptieren. Es geht nicht darum, den Charakter des Hundes zu verändern, sondern Gespräche mit ihm zu führen“, sagt Michael Stephan. Wie das möglich ist und wie diese Gespräche in der Praxis aussehen können, zeigen Stephan und Hundetrainerin Linda Sikorski dann bei Übungen wie Leinenführigkeit bei Hundebegegnung, Spielmotivation und Bewegungseinschränkung des Hundes.

Meine erste Aufgabe besteht darin, Lila zu spiegeln. Die Trainer der HundeTeamSchule nennen das „Arbeiten im Zuneigungsbereich“. Noch etwas unsicher gehe ich neben Lila auf die Knie und fange an, so wie Lila im Gras zu schnuppern. Ich krabble auf allen Vieren neben ihr nach links, dann wieder nach rechts. Langsam fängt das Spiel an, Spaß zu machen. Das spürt auch Lila. Sie kommt zu mir, stupst mich mit ihrer feuchten Nase im Gesicht. Ich muss lachen, umarme sie und wir fallen beide auf die Seite. „Wenn die Basis in der Beziehung mit Respekt und Zuneigung gelegt ist, dann kann darauf die Erziehung aufbauen und die Schwierigkeiten lösen sich auf“, erklärt Michael Stephan. Mir wird klar, dass Lila und ich in den drei Minuten, in denen ich sie gespiegelt habe, spielerisch miteinander kommuniziert haben. Ich zeigte Lila meine Zuneigung, indem ich mich auf ihre Welt eingelassen habe. Lila erwiderte diese, indem sie sich an mich herandrückte und mir übers Gesicht leckte.

Erkenne die Natur

Kommunikation zwischen Hund und Halter ist nach der Vorstellung der HundeTeamSchule eine Balance von Respekt und Zuneigung. „Beziehungen unter Hunden beginnen meist im Bereich Respekt, durch das Setzen von Grenzen. Genau daran orientiert sich HTS. Ein Hund sagt dem anderen, was er zu lassen hat. Ansonsten herrscht Freiheit“, sagt Michael Stephan. Eine tiefere Einsicht in die Natur des Hundes bekomme ich dann bei einer Begegnung zwischen Lila und Lilli, der souveränen Leithündin im sechsköpfigen Rudel der HundeTeamSchule. Lila nähert sich der Leithündin unerschrocken, aber unterwürfig. Lilli signalisiert Lila daraufhin, das ist in Ordnung so, du darfst näherkommen. Erst als der Teenager die erfahrene Hündin etwas ungestüm zum Spiel auffordert, rüffelt Lilli sie mit einem kurzen Knurren für dieses in ihren Augen rüpelhafte Verhalten. Danach herrscht wieder Freiheit und Lila darf sich ohne Einschränkung von Lilli bewegen, wohin ihre Pfoten sie tragen.

Nach den zwei Tagen herrscht statt Ratlosigkeit jetzt Vertrauen in unsere Beziehung. Ich versuche Lila so zu nehmen, wie sie ist, setzte ihr aber auch Grenzen. Das klappt noch nicht immer, aber immer besser - seitdem wir unsere eigene Kommunikation gefunden haben.

 

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