Neue Hundesportart

Longieren + Agility + Dogdance = JAD-Dogs

 
"Jump And Dance“ ist eine neue, innovative Hundesportart aus Bayern. Die hundeschau hat die Erfinderin Mica Köppel in Zusmarshausen bei Augsburg besucht und war begeistert, wie gut sich Hunde mit aktionsreichen Bewegungen, Distanzarbeit und Tanzeinlagen motivieren und führen lassen.

Mit der Sonne im Rücken machen wir uns schon um neun Uhr morgens auf den Weg von München nach Zusmarshausen. Unser Ziel ist das Gelände der Firma „Schwarzbräu“, die in dem gut 6.000 Einwohner zählenden Örtchen im schwäbischen Landkreis Augsburg seit über 350 Jahren Bierspezialitäten braut. Eine Bierverkostung steht heute aber nicht auf dem Programm. Ganz im Gegenteil. Es ist eine neue Sportart, die uns nach Zusmarshausen führt. Genauer: eine neue Hundesportart.

Drei Hundesportarten in einer

Wie verabredet treffen wir um zehn Uhr Mica Köppel. Die Hunde- und Dogdance-Trainerin hat 2006 von der Brauerei eine Halle und eine große Grünfläche angemietet. Die ehemalige Lagerhalle funktionierte sie zur Hundesporthalle um. Auf der Grünfläche entstand ein Trainingsgelände mit weitläufigem Trainingsplatz und zwei Freilaufbereichen. Heute nimmt sich Mica Köppel einen halben Tag Zeit, um uns ihre neu entwickelte Hundesportart „JAD-Dogs“ zu präsentieren.

„JAD-Dogs steht für Jump And Dance und vereint die drei Hundesportarten Longierarbeit, Agility und Dogdance“, sagt Köppel. Auf die Idee kam die Dogdance-Trainerin, die seit 1996 professionell Hundesport betreibt und bereits mehrere internationale Dogdance-Turniere gewonnen hat, bei ihren Dogdance- und Agility- Seminaren. „Dabei erlebte ich immer wieder Hunde, denen Dogdance zu triebarm war und die deshalb schnell die Motivation verloren haben und sich leicht ablenken ließen. Beim Agility hatte ich dagegen oftmals Hunde, die viel zu sehr in ihrem Trieb und dadurch unkontrollierbar waren“, erinnert sich Köppel. So kam ihr der Gedanke, beide Sportarten miteinander zu kombinieren und dadurch eine Möglichkeit für Hundehalter zu schaffen, das Tempo ihrer Hunde selbst zu dosieren. „Außerdem wusste ich, mit welcher Begeisterung Hunde Longierarbeit machen. Also nahm ich das Longieren als dritte Komponente dazu und die Kombination war perfekt.“

Die Basis: Longierarbeit

In der Wiese stecken bei unserer Ankunft bereits ein Dutzend Stäbe, die einen riesigen Kreis bilden. „Wir beginnen mit der Longierarbeit als eine von drei Hundesportarten, die bei JAD-Dogs miteinander verschmelzen“, sagt Köppel und holt ihren Border Collie „Mimo“ aus dem Freilaufgehege. Als Erstes kommandiert sie den dreijährigen Rüden gezielt zu unterschiedlichen Markierungen und lässt ihn dort ablegen oder um die Stäbe herumlaufen. Dann lässt sie Mimo einmal den gesamten Kreis ablaufen.

„Durch die Longierarbeit lernt der Hund, sich zu lösen und zu konzentrieren. Es ist vergleichbar mit dem Longieren von Pferden. Mit dem Unterschied, dass Pferde an der Leine sind und Hunde frei laufen“, erklärt Köppel. Entscheidend dabei ist, dass der Hundehalter seinen Hund stets unter Kontrolle hat. Er muss auf spontane Hörzeichen wie „Sitz“, „Platz“ und „Steh“ jederzeit reagieren und Tricks wie Männchen, Pirouetten und Verbeugen auf Distanz zeigen. Auch Richtungs- und Gangartwechsel von Trab in Galopp und wieder in den langsamen Schritt gehören zum Repertoire von Longier-Profis wie Köppel und Mimo.

Um den Schwierigkeitsgrad noch zu steigern, holt Köppel die sechsjährige Labrador-Mischlingshündin „Luna“ und ihre Tochter „Muca“, ein vierjähriger Australien Shepherd-Labrador-Mischling, in die Runde. Davon abgesehen, dass der vor Energie strotzende Rüde Mimo den beiden Damen beim Kreislauf gerne mal auf und davonläuft und Köppel ihn immer wieder mal bremsen muss, klappt das Longieren auch mit drei Hunden hervorragend.

Agility mal ganz anders

Nach der beeindruckenden Vorführung sammelt Köppel flink die Markierungen ein und verschwindet kurz in einem Bauwagen, der in einer Ecke des Geländes steht und in dem sie ihre Trainingsgeräte aufbewahrt. Drei Minuten später stehen vier Hürden auf dem Rasen, die Köppel wie die Flügel einer Windmühle angeordnet hat. Die sogenannte „Mühle“ ist neben dem „Würfel“ und der „Raute“ eine von drei 4er-Sprungvarianten beim JAD-Dogs.

Statt den Hürden können aber auch andere Agility-Geräte wie Reifen, 1-Meter-Tunnel oder ein auf JAD-Dogs angepasster Weitsprung verwendet werden. Lediglich die aus dem Agility-Sport bekannten Kontaktzonengeräte wie A-Wand, Steg und Wippe kommen bei der neuen Hundesportart nicht zum Einsatz. „An den Kontaktzonengeräten müssen die Hunde sehr genau arbeiten. Dadurch käme es zu unerwünschten Verzögerungen. Die Abläufe und Bewegungen sollen bei JAD-Dogs aber genauso fließend sein wie im Dogdance“, erklärt Köppel. Im Gegensatz zu Agility werden die Hunde bei JAD-Dogs nämlich nicht über die Hindernisse geführt, sondern überwiegend von der Mitte aus dirigiert.

Wie das abläuft, führt sie uns mit Mimo, Luna, Muca und Border Collie-Schäferhund-Mischling „Jaimy“, die inzwischen zur Hundetruppe hinzugestoßen ist, vor. Im Zentrum der „Mühle“ stehend lenkt die Hundetrainerin ihre vier Hunde über die ca. 30 Zentimeter hohen Hürden. Zuerst geht es links herum, dann rechts herum. Zwischendurch lässt sie die Hunde zu ihren Füßen ablegen oder nacheinander durch ihre Beine laufen.

Tanzen auf flotten Pfoten

Womit wir bei der dritten Hundesportart sind, von der JAD-Dogs am stärksten beeinflusst ist: Dogdance. So wie beim Dogdance gehört zum JAD-Dogs auch eine Choreografie und ein Musikstück, das vom Mensch-Hund-Team interpretiert wird. „Die Choreografie sollte zum Lied passen. Ziel ist ein harmonisches, dynamisches und rhythmisches Miteinander“, sagt Köppel.

Was man sich unter einer Kombination aus Longierarbeit, Agility und Dogdance genau vorstellen kann, zeigt uns Köppel dann in Form einer zweieinhalb-minütigen Vorführung mit Labrador-Mischling Luna. Dazu stellt sie zwischen die mühlenartig angeordneten Hürden noch jeweils ein Hütchen. Dann geht sie mit Luna in der Ringmitte in die Ausgangsstellung. Beide verbeugen sich vor dem Tanz wie auf einem festlichen Ball – Köppel stilgerecht, wie es einst die Herren der Schöpfung pflegten, und Luna, indem sie, wie es sich für eine Dame gehört, mit den Vorderpfoten einen Knicks macht.

Während der Darbietung dirigiert Köppel ihre Tanzpartnerin Luna immer wieder um die Hütchen, lässt sie mal in der einen, mal in der anderen Richtung herumlaufen. Zunächst führt sie eine Blume vor – wie wir später von ihr erfahren. Das heißt, sie schickt Luna nacheinander immer wieder zu einem Gerät und ruft sie dann wieder zu sich, sodass der Weg des Hundes nach dem Anlaufen des letzten Gerätes die Konturen einer Blume ergibt. Immer wenn Luna bei ihr ist, legen die beiden zusammen ein paar Tanzschritte auf den Rasen oder zeigen einen Trick. Danach läuft Luna die gesamte „Mühle“ ab, überspringt jede der vier Hürden, und kommt anschließend wieder zu Köppel zurück. Es folgen noch ein paar Pirouetten, die schließlich in ein Schlussbild münden: Luna liegt alle Viere von sich streckend auf dem Rücken und wir applaudieren.

„JAD-Dogs kann fast jeder ausüben“

Von der harmonischen Darbietung beeindruckt, wollen wir natürlich noch wissen, ob JAD-Dogs auch sportlich und tänzerisch weniger begabte Hunde und Halter lernen können? „Das tolle an JAD-Dogs ist, dass so wie auch beim Dogdance kaum etwas vorgegeben ist. Durch die freie Wahl der Agility-Geräte und der Tricks kann diese Sportart fast jeder ausüben. Es bedarf nur eines gewissen Grundgehorsams und einer guten Bindung zwischen Hund und Halter“, sagt Köppel.

Wie gut sich die Hunde durch den ständigen Wechsel zwischen aktionsreichen Bewegungen, Distanzarbeit und enger Arbeit am Menschen motivieren und steuern lassen, führt die  Hundetrainerin inzwischen bei Auftritten im In- und Ausland vor. Ihr Wunsch ist es, JAD-Dogs als Hundesportart zu etablieren. Als wir uns fünf Stunden später wieder auf den Heimweg in Richtung München machen, können wir uns gut vorstellen, dass ihr das gelingen dürfte. Schließlich kommen im Hundesport häufig Innovationen von hundebegeisterten Menschen aus Orten, die zuvor noch kaum jemand auf dem Plan hatte – so wie Zusmarshausen.

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